Kinder aus Alkoholikerfamilien unterliegen einem hohen Anpassungszwang, geschuldet der alkoholbedingten Instabilität, emotionalen Kälte, Willkür, unklaren Grenzen und mangelnden Förderung. Kaum ein Kind berichtet hierbei spontan, ein Elternteil sei süchtig. Meist stehen mangelndes Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen, als belastend empfundene Unsicherheiten oder Ängste, Kontaktschwierigkeiten oder auch psychosomatische Erkrankungen im Vordergrund und werden im Tonfall der Selbstbezichtigung vorgebracht. Die Dunkelziffer ist im Suchtbereich groß, betroffene Eltern neigen zur Verharmlosung. Deshalb steht eine umfangreiche Anamnese und Diagnostik am Beginn der Maßnahme. Am Ende der Phase I beginnt ggf. auch die Sucht-, Therapie- und Erziehungsberatung der Eltern.

 

Stabilisierung:   Dem Kind ist zuerst Sicherheit und Zuwendung zu geben.  Es beginnt in dieser Phase ggf. auch die medizinische und therapeutische Behandlung. Geschaffen wird der haltgebende Rahmen. Auch Gruppenregeln, individuelle Regeln, strukturierter Tagesablauf, Rituale und Routinen vermitteln Sicherheit. Aufbau eines Wertsystems: Die Defizite werden gezielt behoben, so dass das Kind in eigener Kompetenz entwicklungsgerecht Entscheidungen auf der Grundlage eines selbst erarbeiteten Wertesystems treffen kann. Der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol wird altersgemäß erarbeitet.  Ausbau der Stärken des Kindes: In diesem Schritt erfolgt die Aktivierung der individuellen Fähigkeiten, Vermeidung/Ausschaltung von Unsicherheitsfaktoren, ggf. Vermeidung retraumatisierender Faktoren, dauerhafte Integration.

 

Rückführung in die Familie: Nach Analyse der Fähigkeit der Herkunftsfamilie zur unschädlichen Aufnahme der Rückkehrer anhand der aktuellen familiären- und Partnersituation und dem Suchtverhalten erfolgt die Organisation der langfristige Nachsorge, auch durch Einschaltung örtlicher Suchtberatungsstellen, gegenseitige Besuche, fortgesetzte Beratungen und Unterstützungen. Alternativ Verselbständigung: Weitere Stärkung der Eigenverantwortlichkeit, kurz- und mittelfristige Lebensplanung.  Selbständigkeits-Training (Geld, Kleidung, Lebensmittel, Hygiene, Umgang mit Behörden), Aus-, Fortbildungs- oder Arbeitsplatzsuche, Wohnungssuche. Begleitung und Beratung in Fragen der Partnerschaft und bei der Familienplanung.